Das Schöne an den Büchern von Robert Pucher ist, dass er sich an keine Geschmacksgrenzen hält. Kurz zum Inhalt: Schriftsteller Daniel Reichenbach aus Wien gerät mit seiner Lektorin in Streit, kurze Zeit später findet er ihre Leiche zerstochen im Badezimmer seines Hauses. Wie sie dorthin kam? Er weiß es nicht und will sie verschwinden lassen. Davon nichts ahnend nervt Bezirksinspektor Kurt Doppler mit seinem Körpergeruch und begeht eine Vergewaltigung. Seine Vorgesetzte Dr. Simone Reichenbach lässt ihren Frust an ihm aus und den Rohrstab auf ihn niedersausen. Skurrile Figuren und ein verschlungener und dennoch übersichtlicher Plot zeichnen diesen Krimi aus.
Wer also nicht über einen stabilen Magen und ein hartgesottenes Schamgefühl verfügt, dürfte etwas derangiert gucken. „Katerfrühstück“ ist ein provokantes, ein plakatives Buch, das sehr unartig daher kommt, weil wirklich alles überzeichnet ist. Normaler, handelsüblicher Geschlechtsverkehr findet nicht statt, es muss alles extrem und abnorm sein bei Simone Reichenbach. Kurt Doppler kommt derart abgestumpft und ungebildet daher, dass man teilweise die Luft anhält. Man möchte angesichts der machohaften sexistischen Vorstellungen und seinem fast unerschütterlichen Glauben an seine eigene Attraktivität und Anziehungskraft schreien. Auch Daniel Reichenbach, das verkannte Literaturgenie, wie er meint, lebt jenseits der Realität. Und so hässlich, wie sie beschrieben wird, kann seine Frau Maria kaum sein, so hofft man insgeheim.
Glücklicherweise überstrapaziert Pucher den Leser nicht noch mit einer riesigen Zahl an Charakteren. Denn abgesehen von deren Abnormität, die meistens sehr detailverliebt gepflegt wird, gibt es auch noch zwischen (fast) allen eine Verbindung. Vieles geschieht zufällig und zufälligerweise sind alle Figuren irgendwie miteinander verknüpft. Und das nicht ohne Grund, denn jede Figur hat ihre Daseinsberechtigung und jede hat eine Funktion, ohne die die Handlung so nicht geschehen könnte. Und das ist hier wirklich sehr kunstvoll gemeistert geworden, denn am Ende ist alles stimmig.
Meines Erachtens darf man nicht in die Falle tappen und alles zu ernst nehmen. Und das ist mir auch nicht schwer gefallen, weil ich das Buch als eine bitterböse Satire gelesen habe. Die üblichen Elemente Sex, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit kommen in den Topf. Etwas sauer aufstoßen musste ich aber bei der Vergewaltigung, die Doppler der Sekretärin antut. Vielleicht sehe ich das zu eng, aber hier hörte für mich der Spaß auf, dies war ein Schlag, der zu weit unter die moralische Gürtellinie gelandet ist. Auch dass Sylvia Engert, das Opfer, Doppler erpresst, also sich selbst zum Täter macht, hat mich nicht ganz mit der Tat versöhnt.
Nach zwei herben, literarischen Niederlagen ist es diesem Titel gelungen, mich mit seinem tiefschwarzen Humor endlich wieder zu belustigen und zu unterhalten, welch ein Glück.

