Egal ob man den Norden mag oder nicht, ob man jung ist oder älter, ob man schon mal in Schweden oder Finnland war – oder eben nicht – dieses Buch wird jeder mögen: Populärmusik aus Vittula von Mikael Niemi.
Die Geschichte spielt in Pajala, ungefähr auf Höhe von Kiruna, in Nordschweden an der finnischen Grenze gelegen, in den 60er und 70er Jahren, als die Straßen geteert, das Kleinbauerntum eingestellt wird und auch die Rock’n'Roll-Welle bis nach Nordskandinavien schwappt. Dort wachsen Matti und sein sehr schweigsamer Freund Niila auf, der als Vor-/Schulkind zwar überhaupt nicht spricht, weil das in dem extrem christlich-laestadianisch Zuhause nicht üblich ist, sich aber via Radio Esperanto lernt und so zur Verblüffung aller Dorfbewohner einem afrikanischen Prediger dolmetschen kann. Bei einem Trauerfall in der Familie Niilas bekommt dieser von zwei Cousins, die zur Beerdigung angereist waren, eine Schallplatte mit Rock’n'Roll music von den Beatles. Heimlich benutzen Niila und Matti den Plattenspieler von Mattis großer Schwester und werden durch die unheimliche Wucht der Musik erstmal an die Wand geschleudert. Als die wutentbrannte Schwester ins Zimmer kommt, ergeht es ihr aber beim Klang der Musik nicht besser und schließlich dürfen die Jungs bleiben, denn Niila gehört ja die Platte, die die Grundschuljungs hoch im Kurs bei den älteren Freundinnen der Schwester stehen lässt.
Fasziniert und gefesselt von der Musik folgt eine “Musikerkarriere”, die mit einer selbstgebastelten Sperrholzgitarre beginnt und schließlich ungefähr zehn Jahre später in einer fast professionellen Schulband endet.
Neben dem Leitmotiv der Musik und des Musikmachens beschreibt Niemi trefflich, witzig und rasant die Jugend in Nordschweden, die von Mädchen, einer lokalen Saufmeisterschaft, Luftgewehrkrieg, schwermütigen Nordländern, langen Nächten und der unglaublichen Natur geprägt ist. Dabei verliert sich der Autor nie in zu langen Naturschilderungen, sondern schreibt genau so viel wie notwendig, um sich das Leben dort vorstellen zu können und malt mit seinen Charakterisierungen der Bewohner ein unglaublich authentisches Bild, das gut mit der beigemischten Selbstironie passt, und nie kitschig oder klischéemäßig wird.
Ein unglaublich gutes Buch – für jeden Nordlandliebhaber ein Muss und für alle anderen Leser eine Kür, die mühelos zu lesen mit viel Situationskomik aufwartet und doch ihre eigene Tragik und Tiefe hat.
p.s.: Wem das Lesen zu mühsam ist, es gibt auch eine unglaublich gute Verfilmung!


