„Der reifen Frau gehört die Welt“
Dieses Buch wurde von einer damals 37 jährigen Österreicherin geschrieben.
Sie ist 1942 in Linz geboren. Sie studierte englische Literatur und promovierte 1977 zum Dr. phil. mit einer Arbeit über die englischen Schriftstellerinnen des 18. Jahrhunderts. Sie hatte langjährige Aufenthaltein Frankreich und in England. Sie war Redakteurin bei der Wiener Tageszeitung „Die Presse“. Sie selbst wurde geboren, als ihre Mutter 42 Jahre alt war und belegt in diesem Buch mit vielen Beispielen die Attraktivität reifer Frauen.
Früher waren die barocken Damen, die reiferen Frauen sehr geschätzt in der Gesellschaft. Erst im 19. Jahrhundert galt man z. B. mit 25 Jahren als alte Jungfer. Im 20. Jahrhundert war man mit 26 Jahren eine Spätgebärende. Zitat:
„Das Bürgertum brauchte gefügige Frauen.“ Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts, es dauerte 70 Jahre. In dieser Zeit etablierte sich das Bürgertum, und zwar mit Hilfe des „neuen“ Geldes aus den Fabriken. Vorher bestand die englische Bevölkerung in der Hauptsache aus Aristokraten und Armen. Die neue Gesellschaft brauchte zum Überleben starke Familien. Solche erlange man nur über Frauen und nicht über barocke Damen der Gesellschaft, die einen großen Salon führten und sich von keinem Mann befehlen ließ. Man war auf einen neuen Frauentyp angewiesen, der familienbewusst war, ohne Widerrede erstaunliche Mengen Kinder produzierte und sich in allem und jedem unterwarf. Mitte des 18. Jahrhunderts schaffte man sich diesen Typ mit Hilfe von Theaterstücken, Zeitungsartikeln, Sonntagspredigten, Anstandsbüchern und Romanen. Mit welchem Geschick die Männerwelt ihr Ziel verfolgte! Es wurde eingebläut, dass nicht Glück in der Liebe, körperliche und geistige Erfüllung erstrebenswert seien, sondern dass die wahre die „heilige“ Bestimmung der Frau in Selbstaufopferung, Gehorsam, Keuschheit, Kindern, Ehemann und Haushalt liege. Diese neue Ideologie für die Weiblichkeit wurde – um ganz sicher zu gehen – auf einem Fundament errichtet, das unzerstörbar war, der Angst, Angst vor dem Alter wurde künstlich geschürt,
Die Vergänglichkeit der weiblichen Schönheit immer aufs neue betont. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte sich das Frauenbild völlig geändert. Aus der geistreichen, umschwärmten, zeit ihres Lebens verehrten Dame der Gesellschaft war eine blasse, tugendhafte, ständig schwangere, kränkelnde Frau geworden, die man jung verheiratete und damit gar nicht erst zur Blüte kommen ließ. Ehe es begann, war für diese Frauen bereits alles vorbei. Sie wurden ihrer Sexualität beraubt. Die Sexualität verkümmerte, eine durch ständiges Gebären geschwächte Gesundheit, panische Angst vor dem Alter – kein Wunder, dass die besten Jahre im Leben einer Frau die kurzen Jahre vor ihrer Verheiratung wurden, dass die Frauenverehrung zur kurzlebigen Mädchenverehrung verkümmerte.
Die Schriftstellerin erzählt, dass man auch früher alt wurde und von den Errungenschaften an Wissen und von faszinierenden Persönlichkeiten, usw.
Vorbilder gibt es zu allen Zeiten auch unter den einfachen Leuten.
Wissen und Bildung macht interessant meint die Susanna Kubelka. Auch im hohen Alter kann man noch jung und interessant sein. Auch silbernes Haar kann ein schönes interessantes Gesicht schön wirken lassen. Sie berichtet von vielen interessanten Frauen, belegt ihre Meinung mit vielen Beispielen. Die Autorin berichtet viel über das Gebären zwischen dreißig und vierzig und dass die Statistiken gar nicht so stimmen. Dass man sehr wohl in diesem Alter gesunde Kinder bekommen kann. Dass reifere Mütter oft die besseren seien, geduldiger und kompetenter, klügere Kinder hervorbringen und weniger kriminelle Kinder heranziehen.
Sie redet über Alterseinsamkeit und dass alte Menschen nicht einsamer sein müssen als junge Menschen. Einsamkeit hat nichts mit dem Alter zu tun. Es ist auch eine Charaktersache. Ist man in jungen Jahren schon einsam, ein Griesgram, ist man es auch im Alter.
Sie macht neugierig aufs Forschen und Hobbies pflegen im Alter. Sie belegt mit Beispielen, warum man keine Angst vor dem Altern und dem Sterben haben
muss.
Susanna Kubelka schreibt: „Alt werden ist schön. Und es ist auch eine Gnade.
Wer es richtig betreibt, der hat nichts zu befürchten. Also: keine falsche Bescheidenheit, kein Resignieren, Haltung bewahren, zeigen, aus welchem Holz
man geschnitzt ist. Das Leben ist so vielfältig, es gibt so viel zu tun.
Altwerden mit Stil, Mut und Humor, das ist das Rezept. Vorbilder sind genügend da. Und es gibt keinen Grund in der Welt, warum man es selbst nicht auch schaffen könnte.
Das Buch ist schön zu lesen, nur wundert mich dass sie schreibt „endlich über vierzig“. Zu diesem Zeitpunkt war die Schriftstellerin erst 37 Jahre.

Beitrag von Gabi aus Fürth
