Thomas Brussig: “Berliner Orgie”
In dem Buch “Berliner Orgie” geht Thomas Brussig auf eine naiv anmutende Reise in die Welt der vermeintlichen Lust in und um Berlin. Mit einer
Sichtweise wie sie nur ein intellektueller an den Tag legen kann, beschäftigt sich Brussig mit den Fragen die rund um das Thema der käuflichen Liebe auftreten. Was hat diese mystisch anmutende Welt aus Sein und Schein wirklich zu bieten? Letztlich stellt er fest, dass die Qualität der Dienstleistung nur davon abhängt, wie nah sie an die Illusionen des Konsumenten heranreicht und hierbei wissen die Frauen oft besser wie man diese Illusion erschafft als die Männer selbst. Er beschäftigt sich aber auch schlicht mit der Frage, was Frauen dazu bringt ihren Lebensunterhalt in diesem Gewerbe bestreiten zu wollen. Es ist eine Odyssee durch eine Parallelwelt die ihrem ganz eigenen Takt des Lebens folgt und dabei niemals still steht. Wirklichen Spaß und Lust sucht man meist vergebens, vielmehr geht es um Minutenabrechnungen wie bei einer Telefonrechnung und die Suche nach dem besten Geschäft.
Trotzdem wird der als objektiver Diskurs gedachte Auftrag im Laufe der Zeit zu einem ganz subjektiven Versuch. Wie weit kann man(n) sich dem
Ansprechen der primitivsten Instinkte widersetzten, wenn man es mit Meistern der Verführungskunst zu tun hat? Brussig weiß mit seinen
Sprachvariationen zwischen Goethe und Gosse taumelnd, auf ganzer literarischer Linie zu überzeugen. Tauchen Sie mit ein, in eine
wundervolle Phantasiewelt, die am Ende doch nur nach bitterer Realität schmeckt. Selten hat man soviel Syntax des Lebens auf 205 Seiten zu
lesen bekommen. Das Buch ist im Jahre 2007 im PIPER Verlag erschienen und gehört ganz sicher zum Besten was in diesem Jahr verfasst wurde.
Urteil: Wer das Buch einmal anfängt zu lesen, wird es erst wieder mit dem Schlusswort weglegen und sich dabei unterhalten und informiert
fühlen.

