Toxic von Mark T. Sullivan – Ein sehr spannender und lehrreicher Krimi

Detective Sergeant Seamus Moynihan steht vor dem spektakulärsten Fall seiner Karriere. Er hat drei Mordfälle aufzuklären, Männer im besten Alter, die nackt ans Bett gefesselt wurden und am Gift einer
der tödlichsten Schlangen der Welt starben. Was steckt dahinter?
Der Killer hinterlässt jedes Mal eine Botschaft am Tatort. Die Schlange als Instrument der Verführung? Welches Feuer lodert in den Adern des Killers, dass er seine Opfer auf so archaische Weise brutal zu Tode foltert?
Je mehr Moynihan hinter die wahren Beweggründe des Killers blickt, umso gefährlicher wird es auch für ihn selbst.

Ich habe schon viele Bücher gelesen, aber dieses Buch ist eines der spannendsten, die ich kenne. Zusätzlich kann man auch noch viele Sachen über Giftschlangen lernen. Ich dachte immer, die giftigsten Schlangen kommen aus Afrika, aber das stimmt gar nicht. Ich habe diese Sachen überprüft – Es stimmt wirklich.

Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der spannende Bücher liebt.

Birgit Lautenbach, Johann Ebend: Hühnergötter (Hiddensee-Krimi)

Auf Hiddensee sind Einheimische und Urlauber geschockt: die kleine Leonie ist aus ihrem Kinderwagen entführt worden, vom Täter fehlt jede Spur. Wie lange kann das Baby ohne ihre Mutter überleben? Warum findet die Polizei das Kind auf dem Eiland in der Ostsee nicht?

Das Buch ist was Größe (17,6 x 10,4 x 1,2 cm), Preis (8,90 Euro) und Umfang (143 Seiten) angeht die ideale Urlaubslektüre für den Strand. Insel-Charme und -Flair kommen einfach gut rüber, man taucht in die Handlung ein und spürt den Sand zwischen den Zehen. Die Sprache ist recht nüchtern und der Situation angemessen, es ist kein Rührstück, das von Tränen und entführten Babies lebt, die riesige Augen haben. Dennoch schafft es die Sprache den Schmerz und die Wut gerade von Marie, Leonies Mutter, mitfühlen zu lassen. Auf der anderen Seite finden sich dann so schöne, humorige Wörter wie Dösbaddel und Kaventsmänner, die man eben viel zu selten in den Mund nimmt.

Den Charme des Buches machen auch die Wechsel der Erzählperspektive aus, also aus Sicht eines Polizisten, aus Sicht von Marie, und am meisten berührt hat mich die Schilderung aus Sicht des entführten Babys. Erst: ohwei, Schmonzette, und dann war das unheimlich erschreckend. Auch die Parallel Jäger – Gejagte lässt einen mitfiebern. Ebenso wird die Sicht der Täterin lang und breit geschildert, ihre Pläne, wie sie nicht auffallen und wie sie an neue Psychopharmaka kommen will, wie sie das Kind von der Insel schmuggeln könnte. Gruselig!

Etwas unsicher bin ich in der Beurteilung der Figur Marten Buhrow. Ganz anders bei Oliver, dem Vater von Leonie. Ich war richtiggehend erleichtert, dass seine Frau sich überwindet, und diesem untreuen Idioten endlich eine reinhaut. Da waren meine Emotionen ganz klar. Aber wie gesagt Marten Buhrow, da schwanke ich noch, weil ich etwas gestutzt habe. Er ist um die 30 und lebt mit seiner Mutter zusammen. Er gilt als geistig zurückgeblieben, autistisch. Das Buch beginnt mit einem Spaziergang, den er jeden Morgen macht. Dabei findet er ein Baby am Strand. Seine Gefühle und Empfindungen, seine Beobachtungen in dieser Anfangssequenz sind derart komplex, das sie nicht zu einem geistig zurückgebliebenen Jungen passen, eher zu einem hochintelligenten Autisten. Dieser Buchbeginn ist also ein Rückblick und endet damit, dass Marten das Baby mitnimmt und sein Elternhaus betritt. Nun, Zeitsprung ins heute, als Leonie verschwindet, gerät er in den Fokus der Medien und wird dort als Kindsentführer, regelrecht als Monster vorgeführt. Ich muss gestehen, dass ich keinen Zusammenhang erkennen kann, denn das Baby aus der Vergangenheit war offensichtlich ausgesetzt worden und nicht entführt worden. In meinen Augen hat er damals also nichts Unrechtes getan, was ihm heute zur Last gelegt werden könnte.

Inselflair, verschiedene Erzählperspektiven und eine nüchterne Sprache machen den Reiz dieses Buches aus.

Rezension von Kristine Greßhöner 

Robert Pucher: Katerfrühstück (Wien-Krimi)

Das Schöne an den Büchern von Robert Pucher ist, dass er sich an keine Geschmacksgrenzen hält. Kurz zum Inhalt: Schriftsteller Daniel Reichenbach aus Wien gerät mit seiner Lektorin in Streit, kurze Zeit später findet er ihre Leiche zerstochen im Badezimmer seines Hauses. Wie sie dorthin kam? Er weiß es nicht und will sie verschwinden lassen. Davon nichts ahnend nervt Bezirksinspektor Kurt Doppler mit seinem Körpergeruch und begeht eine Vergewaltigung. Seine Vorgesetzte Dr. Simone Reichenbach lässt ihren Frust an ihm aus und den Rohrstab auf ihn niedersausen. Skurrile Figuren und ein verschlungener und dennoch übersichtlicher Plot zeichnen diesen Krimi aus.

Wer also nicht über einen stabilen Magen und ein hartgesottenes Schamgefühl verfügt, dürfte etwas derangiert gucken. „Katerfrühstück“ ist ein provokantes, ein plakatives Buch, das sehr unartig daher kommt, weil wirklich alles überzeichnet ist. Normaler, handelsüblicher Geschlechtsverkehr findet nicht statt, es muss alles extrem und abnorm sein bei Simone Reichenbach. Kurt Doppler kommt derart abgestumpft und ungebildet daher, dass man teilweise die Luft anhält. Man möchte angesichts der machohaften sexistischen Vorstellungen und seinem fast unerschütterlichen Glauben an seine eigene Attraktivität und Anziehungskraft schreien. Auch Daniel Reichenbach, das verkannte Literaturgenie, wie er meint, lebt jenseits der Realität. Und so hässlich, wie sie beschrieben wird, kann seine Frau Maria kaum sein, so hofft man insgeheim.

Glücklicherweise überstrapaziert Pucher den Leser nicht noch mit einer riesigen Zahl an Charakteren. Denn abgesehen von deren Abnormität, die meistens sehr detailverliebt gepflegt wird, gibt es auch noch zwischen (fast) allen eine Verbindung. Vieles geschieht zufällig und zufälligerweise sind alle Figuren irgendwie miteinander verknüpft. Und das nicht ohne Grund, denn jede Figur hat ihre Daseinsberechtigung und jede hat eine Funktion, ohne die die Handlung so nicht geschehen könnte. Und das ist hier wirklich sehr kunstvoll gemeistert geworden, denn am Ende ist alles stimmig.

Meines Erachtens darf man nicht in die Falle tappen und alles zu ernst nehmen. Und das ist mir auch nicht schwer gefallen, weil ich das Buch als eine bitterböse Satire gelesen habe. Die üblichen Elemente Sex, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit kommen in den Topf. Etwas sauer aufstoßen musste ich aber bei der Vergewaltigung, die Doppler der Sekretärin antut. Vielleicht sehe ich das zu eng, aber hier hörte für mich der Spaß auf, dies war ein Schlag, der zu weit unter die moralische Gürtellinie gelandet ist. Auch dass Sylvia Engert, das Opfer, Doppler erpresst, also sich selbst zum Täter macht, hat mich nicht ganz mit der Tat versöhnt.

Nach zwei herben, literarischen Niederlagen ist es diesem Titel gelungen, mich mit seinem tiefschwarzen Humor endlich wieder zu belustigen und zu unterhalten, welch ein Glück.

Rezension von Kristine Greßhöner